Auf dem Land in England: Ein gemütliches Cottage mit internationalem Flair

Auf dem Land in England: Ein gemütliches Cottage mit internationalem Flair

Im Wohnzimmer des Hauses der Innenarchitekten Scarlett Supple und James Thurstan Waterworth in der englischen Grafschaft Wiltshire zieren eine afrikanische Maske, ein Gemälde aus den 1980er Jahren, gekauft auf dem lokalen Markt, sowie ein Paar vergoldete Zierknöpfe aus dem 19. Jahrhundert das Kaminsims. Links steht ein Schrank aus den Pyrenäen aus dem 17. Jahrhundert und im Vordergrund steht ein antiker, von Howard & Sons inspirierter Sessel mit einer Rückenlehne aus indigoblauem Kembe-Stoff. (Foto: Marcus Quigley)

Im Jahr 2019 wurde der britische Innenarchitekt James Thurstan Waterworth, heute 41 Jahre alt, mit der Renovierung des „Bradley Hare“ beauftragt – ein Gasthaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im Dorf Maiden Bradley im Südwesten Englands. Seine Frau Scarlett Supple (36) ist ebenfalls Innenarchitektin und begleitete ihn oft bei Besuchen in der Gegend, die zu einem 3.000 Acre (rund 12140,6 Quadratmeter) großen Anwesen gehört, das seit 1554 im Besitz des Herzogs von Somerset ist. Das Paar war immer mehr von der natürlichen Schönheit der Landschaft und der lebhaften Dorfgemeinschaft aus Landwirten, jungen Familien und kreativen Köpfen begeistert. „Wir haben uns Hals über Kopf in die Gegend verliebt“, sagt Waterworth.

Der aus Kalkstein erbaute Teil des Hauses aus dem 19. Jahrhundert besteht aus zwei miteinander verbundenen Arbeiterhäuschen, an die der viktorianische Teil aus rotem Backstein angebaut ist. (Foto: Marcus Quigley)

Bald darauf mieteten sie ein 4.000 Quadratfuß (rund 371,6 Quadratmeter) großes Bauernhaus außerhalb des Dorfes, wo sie ihre Wochenenden fernab von London und ihren Designbüros verbrachten: Waterworth leitet Thurstan, das kürzlich das Hotel „Zetter Bloomsbury“ in London entworfen hat, und Supple betreibt das Studio Supple. Doch vier Jahre später, nachdem ihre Renovierungspläne vom Gemeinderat abgelehnt wurden, empfanden sie die aufwendige Verwaltung dieses großen Zweitwohnsitzes zunehmend als Belastung. Im vergangenen Jahr zogen sie zusammen mit ihren beiden Kindern – der 5-jährigen Bibi und dem 3-jährigen Bertie – in ein bescheideneres, 1.722 Quadratfuß (rund 160 Quadratmeter) großes Haus mit vier Schlafzimmern im Zentrum von Maiden Bradley um.

Im Spielzimmer, das einst als Büro für das Anwesen diente, steht ein Zelt aus einem altrosa Stoff aus Supples Kollektion „Studio Supple“. An der Wand hängt ein antiker französischer Stoffbehang, der den Baum des Lebens darstellt. (Foto: Marcus Quigley)
Die Fenster im gemütlichen „Snug“ oder „Den“ werden von einem antiken Vorhangstoff umrahmt. Auf der Fensterbank stehen ein vergoldeter antiker Bilderrahmen und eine schwarze Keramikvase von der in London lebenden japanischen Töpferin Akiko Hirai. Darunter steht auf einem niederländischen Tisch aus dem 18. Jahrhundert ein englisches Schachspiel aus dem 19. Jahrhundert. (Foto: Marcus Quigley)
Ein weiterer Blick in das Wohnzimmer, wo die Familie an einem spanischen Banketttisch aus dem 18. Jahrhundert isst. Über der Rückenlehne eines der zusammengewürfelten französischen Esszimmerstühle im Landhausstil hängt ein türkischer Stoff. (Foto: Marcus Quigley)

Das zweistöckige Gebäude aus Kalkstein und Ziegeln umfasst zwei Häuschen aus dem 19. Jahrhundert, die irgendwann miteinander verbunden und anschließend erweitert wurden. Als Waterworth und Supple eingezogen sind, war der Innenbereich erst frisch entkernt worden und war somit wie „eine leere Leinwand“, so Supple. Sie entschieden sich daher dafür, nur dezente Akzente zu setzen und den Raum ihren individuellen Geschmack zu verleihen, gleichzeitig aber eine gemütliche, heimelige Atmosphäre zu schaffen. Um das Erdgeschoss offener zu gestalten, haben sie eine kleine Veranda direkt hinter der Eingangstür mit dem Wohnzimmer verbunden. Vor allem aber konzentrierten sie sich auf die Dekoration und strichen die Wände in warmen Weißtönen, einem gedämpften Mauve und einem speziell angefertigten Blaugrün von Francesca’s Paints, das innerhalb des Unternehmens mittlerweile als „Thurstan Blue“ bekannt ist.

Im Obergeschoss, in einer Ecke des Hauptschlafzimmers, stehen ein spanischer Klapptisch aus Walnussholz aus dem 18. Jahrhundert mit Eisennieten und ein skandinavischer Schreibtischstuhl. Supple fertigte die Vorhänge aus antiken Leinenlaken an, die sie mit handgefärbten Stoffresten verzierte, und auf dem Bett liegt eine Nackenrolle, bezogen mit dem Stoff „April’s Acorn“ von Studio Supple. (Foto: Marcus Quigley)

Die Räume sind mit einer eklektischen Mischung aus Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen ausgestattet, die die gemeinsame Sammlungspassion des Paares widerspiegeln. „Es gibt eigentlich keinen Grund, warum das alles zusammenpassen sollte, aber es funktioniert“, sagt Waterworth. Im Wohnzimmer stehen zwei vergoldete Zierknöpfe aus dem frühen 19. Jahrhundert – ein Geschenk seiner Stiefmutter zu seinem 21. Geburtstag – auf dem Kaminsims im georgianischen Stil, um den herum drei nicht zusammengehörende Sessel aus dem 19. Jahrhundert stehen. Außerdem gibt es einen langen spanischen Banketttisch aus Walnussholz aus dem 18. Jahrhundert und einen rustikalen Schrank, der im 17. Jahrhundert in den Pyrenäen gefertigt wurde. Am Ende eines Flurs befindet sich das gemütliche „Snug“ (oder „Den“), in dem ein antiker Schrank im georgianischen Stil, ein westafrikanischer Zeremonienstuhl aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und ein Stuhl aus Teakholz und Rattan des Schweizer Architekten und Designers Pierre Jeanneret stehen. An der Wand hängen zwei Vasen aus den 1950er Jahren in Form von Straußeneiern in Messinghaltern des Wiener Künstlers Carl Auböck und in einer Ecke steht ein aufrechtes Steinbach-Klavier, auf dem Waterworth gelegentlich spielt – normalerweise erst nach ein paar Drinks, wie er sagt.

Im Zimmer ihrer Tochter Bibi steht ein Bett im neugotischen Stil aus den 1930er Jahren, das von zwei europäischen zeremoniellen Seidenfahnen umsäumt wird. Auf dem Bett liegen eine Tagesdecke mit geometrischem Muster und gestreifte Bettwäsche von Studio Supple. Links steht ein chinesisches Ingwergefäß, das sie zu einer Lampe umfunktioniert haben, und rechts ein antiker Abakus, den sie auf einer Auktion erworben haben. (Foto: Marcus Quigley
Hinter dem Bett im Gästezimmer hängt ein osmanischer Stoff aus dem frühen 20. Jahrhundert, der ursprünglich als Vorhang gedacht war. Auf dem Bett liegen ein afrikanischer Kembe-Stoff und Kissen, die mit indischer Seide aus dem 19. Jahrhundert bezogen und mit einem Blumenmotiv bestickt ist. (Foto: Marcus Quigley)
Unter dem Erkerfenster im Gästezimmer steht ein französischer Schreibtisch aus dem 19. Jahrhundert. Der englische Stuhl im Regency-Stil stammt aus dem Nachlassverkauf des englischen Innenarchitekten Robert Kime, und das Gemälde auf der Fensterbank ist von Roger Hilton, dessen Werke im ganzen Haus zu finden sind. (Foto: Marcus Quigley)

Supples Interesse an antiken Stoffen, das sie von ihrer Mutter, einer Antiquitätenhändlerin für Dekorationsgegenstände, geerbt hat, kommt auch in diesem Raum zum Vorschein. Hier sind die Fenster mit einem „Perde“ in schmuckvollen Farbtönen – einer Art persischem Textil – verkleidet und über die Rückenlehne des Sofas mit Eichenbeinen aus den 1850er Jahren ist ein gestreifter türkischer Kelim aus der Mitte des letzten Jahrhunderts drapiert. Eine mit Kissen bezogene Ottoman-Sitzbank kombiniert ein Hanftuch aus dem späten 19. Jahrhundert mit einem denimfarbenen Hanf-Baumwoll-Mischgewebe aus der Studio Supple-Wohnkollektion, die im vergangenen Jahr auf den Markt kam und von Supples Vintage-Fundstücken inspiriert ist. Ursprünglich beschränkte sich die Linie auf Textilien, doch im vergangenen Monat erweiterte sie ihr Sortiment um weitere Produkte, darunter Kissen, Keramik in Zusammenarbeit mit der in London lebenden Künstlerin Ho Lai, doppelseitige Bettüberwürfe und neu gepolsterte antike Möbel. Im Obergeschoss sind im Schlafzimmer mehrere Stücke aus der Kollektion zu finden, darunter ein Paar handgefaltete Lampenschirme und auf dem Bett ein Vintage-Hanf-Bettlaken in Flaschengrün, das mit Walnuss gefärbt wurde, sowie ein Nackenrolle mit Eichelmuster.

Im Zimmer des Sohnes Bertie liegt ein türkischer Teppich über dem Sisalteppich. Über dem hölzernen Bett im provenzalischen Stil hängt eine anatolische Festtunika. (Foto: Marcus Quigley)
Waterworth und Supple im Wohnzimmer. Hinter ihnen hängt ein Gemälde des britischen Künstlers Basil Beattie. (Foto: Marcus Quigley)

Das Haus dient seit letztem Jahr nicht nur als ihr Hauptwohnsitz, sondern eignet sich auch gut als inoffizieller Testort für Supples Kollektion und für Waterworths Designprojekte. (Als die Familie im April im „Zetter Bloomsbury“ übernachtete, war Bibi ganz begeistert, einen bestickten turkmenischen Kaftan aus dem frühen 20. Jahrhundert zu entdecken. Dieser hatte zuvor an der Wand ihres Schlafzimmers gehangen.) Das Paar möchte ihr Zuhause und beide Unternehmen eines Tages auf demselben Grundstück haben, auch wenn das wahrscheinlich einen weiteren Umzug erfordern würde. Ganz egal, wie es weitergeht, werden sie dem Maiden-Bradley-Haus jedoch immer dankbar sein, dass sie daran ihre Experimentierfreude ausleben konnten. „Wenn etwas auf Dauer nicht funktioniert“, sagt Supple, „gibt es immer die Möglichkeit, die Situation zu verändern. Es gibt nicht nur ‚den einen, richtigen Weg‘.“