Man sieht es im Sommer so zuverlässig wie Flip-Flops und eisgekühlte Matcha Lattes: das Yacht-Selfie. Talitha von Fürstenberg, Enkelin der Designerin Diane von Fürstenberg, feierte auf einem Boot vor einigen Wochen ihren Junggesellinnenabschied. Die norwegischen Fußballer Erling Haaland und Sander Berge erholten sich nach der Saison mit ihren Partnerinnen auf einer 57-Meter-Yacht. Kim und Khloé Kardashian reisten zum Monaco Grand Prix in den Stadtstaat und zogen sich nach Tagen an der Rennstrecke jeden Abend auf eine Charter-Yacht zurück.
Sommerzeit ist Bootszeit – zumindest für manche, oft berühmte Menschen, die auf Booten besonders gerne Urlaub zu machen scheinen. Das hat Tradition: Der Jetset zog sich schon immer gerne auf eine eigene schwimmende Insel zurück. Man blieb beweglich, flexibel und vor allem unter sich. Trotzdem kamen dabei immer wieder ikonische Sommer-VIP-Shots heraus. Das beste Beispiel ist die „Christina O.“, die Yacht des griechischen Reeders Aristoteles Onassis, der damit erst mit Maria Callas die Mittelmeerküste bereiste und später mit Jackie Onassis. Gianni Agnelli wiederum steuerte am liebsten sein eigenes Segelboot. Und eines der schicksalsträchtigsten Fotos von Prinzessin Diana zeigt sie auf einer Yacht. Genauer gesagt auf der Yacht ihres Liebhabers Dodi Al-Fayed im Sommer 1997 – im hellblauen Badeanzug auf einem Sprungbrett, die Beine nach unten baumelnd. Es gilt bis heute als Symbolbild für die bewegten letzten Monate im Leben Dianas.
Natürlich haftet der Boot-Ästhetik bis heute ein gewisser Glamour an. Andererseits haben sich gerade Mega-Yachten zu Symbolen eines exzessiven und ungerechten kapitalistischen Systems entwickelt – zu Spielzeugen mächtiger Männer, die sich gegenseitig mit großen Booten und größenwahnsinnigen Ideen überbieten wollen. Jeff Bezos’ Schiff „Koru“, mit 127 Metern eine der längsten Segelyachten der Welt, diente im vergangenen Jahr als Bühne für seine Hochzeitsfestivitäten. Inzwischen will der Milliardär sie wohl wieder verkaufen – für viele Häfen ist sie schlicht zu groß.

Die Sehnsucht nach der Nähe zum Wasser ist jedoch gerade in Zeiten, in denen Menschen weiterhin gerne viel und oft reisen, zu groß, als dass man dem Bootsurlaub je abschwören würde. Auch Hotels und Retailer reagieren darauf. Das Luxushotel Borgo Santandrea an der Amalfiküste hat in diesem Jahr eine neue „Riva Lounge“ an seinem Privatstrand eröffnet. Gäste können hier vor oder nach einer Fahrt auf dem Riva-Cento-Boot des Hauses einen Drink nehmen und Archivfotos aus der Geschichte der berühmten Riva-Werft betrachten. Der Bootsausflug wird hier um ein weiteres Ritual erweitert, das Branding hervorgehoben. Mytheresa lud zum Start des Sommers Kund:innen auf eine Yacht in Südfrankreich für sein „Maison Mytheresa“-Konzept mit Trunk Shows, Styling-Sessions und Events. Louis Vuitton holte die Boots-Fantasie sogar an Land: In Shanghai eröffnete das Label im vergangenen Jahr mit „The Louis“ ein Gebäude in Form eines Schiffes, das einen Shop, ein Café und eine Ausstellungsfläche miteinander vereint.
Noch immer bietet der Urlaub auf einem Boot das ultimative Eskapismus-Erlebnis, zumal alles drumherum, von der Umgebung bis zum Look, die Schönheit und Leichtigkeit des Sommers vermittelt. Und in Zeiten überfüllter Reisedestinationen bleibt das Boot einer der wenigen Orte, an denen man noch wirklich seine Ruhe haben kann. Bis man wieder andockt.