Die Seine-Metropole erfindet sich in Sachen Hotellerie immer wieder neu: Zwischen historischer Opulenz und progressiver Moderne setzen die neuesten Hoteleröffnungen und ikonischen Paläste der Stadt Maßstäbe in Sachen Ästhetik. Wir haben fünf außergewöhnliche Pariser Adressen kuratiert, bei denen Architektur, Interior Design und Kunst die Hauptrolle spielen.
1. Mandarin Oriental Lutetia, 6. Arrondissement


Das geschichtsträchtige Lutetia im Viertel Saint-Germain-des-Prés (inzwischen Teil der Mandarin Oriental Gruppe) ist das einzige Hotel der „Palace“-Kategorie auf der Rive Gauche. Kürzlich wurde offiziell bestätigt: Das Hotel wird einer der zentralen, urbanen Drehorte für die heiß ersehnte vierte Staffel der HBO-Erfolgsserie The White Lotus. Der Architekt Jean-Michel Wilmotte hat das Belle-Époque-Juwel aus dem Jahr 1910 in einer vierjährigen Umbauphase radikal, aber feinfühlig modernisiert. Die opulente Jugendstil-Fassade blieb erhalten, im Inneren kontrastiert sie nun mit puristischem, zeitgenössischem Design, sanften Graublauen Nuancen und Badewannen, die aus einzelnen Blöcken Statuario-Marmor gemeißelt wurden. Ein Highlight ist die Bar Joséphine. Unter den historischen, restaurierten Deckenfresken trifft man auf Original-Kunstwerke von Größen wie César, Arman und Takis.
2. Maison Proust, 3. Arrondissement
Im Herzen des Marais-Viertels feiert die „Maison Proust“ die Epoche des Fin de Siècle und den namensgebenden Schriftsteller Marcel Proust. Es ist ein intimes Hotel-Juwel, das wie eine private, aristokratische Residenz des späten 19. Jahrhunderts konzipiert ist.
Gestaltet wurde das Haus vom französischen Designer Jacques Garcia. Er verzichtete komplett auf moderne Trends und schuf stattdessen eine Welt aus schweren Seidenstoffen, dunklen Holztäfelungen, goldgeprägten Lederwänden und Samtüberzügen. Die Gründer verbrachten Jahre damit, Antiquitäten und echte Kunstschätze zusammenzutragen. In den Salons und Zimmern hängen originale Gemälde der Belle Époque – darunter Werke von Jacques-Émile Blanche, Giovanni Boldini und Jean Béraud. Sogar ein von Marcel Proust handsigniertes Exemplar von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit sowie ein persönlicher Brief des Autors an die Prinzessin Soutzo sind Teil der hauseigenen Sammlung.
3. Hôtel Hana, 2. Arrondissement


Unweit der Opéra Garnier, im geschäftigen Viertel „Little Tokyo“, bricht das „Hôtel Hana“ mit klassischen Pariser Konventionen und wählt einen erfrischend interkulturellen Ansatz. Das Interior ist das Ergebnis einer spannenden kreativen Zusammenarbeit zwischen der Architektin Laura Gonzalez und dem Modeschöpfer Olivier Leone. Sie schufen einen Dialog zwischen dem Pariser Maximalismus der Belle Époque und dem reduzierten Minimalismus Japans (Wabi-Sabi). Das Ergebnis ist ein harmonisches, feminines Design mit neutralen Erdtönen, Iroko-Holz und Stroh-Wandverkleidungen, das nach strengen Feng-Shui-Prinzipien austariert wurde. Das Handwerk steht hier im Fokus. Gonzalez arbeitete mit Kunsthandwerkern wie den Ateliers Roma und Signature Murale zusammen. Maßgefertigte Teppiche von Marguerite Lemaire und exklusive Pierre-Frey-Stoffe treffen auf strukturierte, fast skulpturale Gemälde im Pool- und Spa-Bereich, die dem Rückzugsort eine meditative Ruhe verleihen.
4. La Fantaisie, 9. Arrondissement


Im Viertel Faubourg-Montmartre (9. Arrondissement) setzt das „La Fantaisie“ einen lauten, fröhlichen Kontrapunkt zur oft so monochromen Pariser Eleganz. Das Hotel ist rund um einen großen, versteckten Innengarten aufgebaut. Verantwortlich für das eklektische Interior ist der schwedische Designer Martin Brudnizki. Er verwandelte das Hotel in eine Cushion- und Muster-Oase, die stark vom Thema Natur und Gartenbau inspiriert ist. Warme Gelbtöne, weiches Salbeigrün und florale Motive dominieren die Räume. Die Suiten öffnen sich mit privaten Holzdecks direkt zum verwunschenen Garten hin. Brudnizki bricht bewusst die Grenzen des klassischen Pariser Chic auf und kreiert ein fantastisches, fast surreales Erlebnis, das durch die kulinarische Kunst der weltberühmten Drei-Sterne-Köchin Dominique Crenn im Hotelrestaurant ergänzt wird.
5. Four Seasons Hotel George V, 8. Arrondissement


Keine Paris-Liste ist komplett ohne das George V. Das 1928 unweit der Champs-Élysées eröffnete Traditionshaus definiert den Begriff des Pariser Luxushotels seit fast einem Jahrhundert und bleibt der Goldstandard für klassischen, majestätischen Pomp. Der klassische Art-Déco-Palast besticht durch monumentale Marmorhallen, Kristallkronleuchter und perfekt restaurierte Antiquitäten des 18. Jahrhunderts. Neben historischen flämischen Wandteppichen ist das George V vor allem für eine ganz moderne, vergängliche Kunstform weltberühmt: die ikonischen Floral-Installationen.Der künstlerische Leiter Jeff Leatham verwandelt die Lobby und den Innenhof Woche für Woche mit Tausenden von frischen Blumen aus Amsterdam in begehbare, avantgardistische Skulpturen. Das zieht Design-Liebhaber:innen aus aller Welt an.