Warum die antike Stadt Arles nach wie vor begeistert

Warum die antike Stadt Arles nach wie vor begeistert

Die antike Stadt Arles in der französischen Provence, wo Vincent van Gogh einige seiner berühmtesten Werke malte, darunter die Sonnenblumenserie und „Sternennacht über der Rhône“. (Foto: Anthony Lanneretonne)

Die provenzalische Stadt Arles ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Am Ufer der Rhône, direkt oberhalb der Mündung des Camargue-Deltas ins Mittelmeer, diente sie bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. als kleiner Handelsposten. Im Jahr 46 v. Chr. erklärte Julius Cäsar die Siedlung zur römischen Kolonie und machte sie so zu einem wichtigen imperialen Vorposten in der Region. Die ältesten Stadtviertel sind voller Ruinen: Von einem riesigen Amphitheater und einer von Sarkophagen gesäumten Nekropole bis hin zu Thermen und den unterirdischen Gängen ihres antiken Forums.

Vor etwa 20 Jahren bargen Taucharchäologen vom Grund des Flusses eine Büste, die nach Ansicht einiger Experten die älteste Caesar-Büste überhaupt ist. Sie ist heute im Museum der Antike in Arles zu sehen, das Mitte der 1990er Jahre eröffnet wurde und von den Einheimischen wegen seiner azurblauen Glasfassade auch „Das blaue Museum“ genannt wird.

Arles, eine ehemalige römische Kolonie, ist mit Ruinen übersät. darunter ein Obelisk aus dem 4. Jahrhundert auf dem Place de la République in der Altstadt. (Foto: Anthony Lanneretonne)

Weniger als eine Meile flussaufwärts wurde 2014 die Vincent-van-Gogh-Stiftung eröffnet – eine längst überfällige Hommage an den Künstler, der ab 1888 etwa 15 arbeitsreiche Monate in Arles verbrachte, inspiriert vom provenzalischen Licht, den Farben und der Landschaft. Andere Künstler folgten seinem Beispiel, darunter Paul Gauguin, doch bis vor nicht allzu langer Zeit war die Stadt eher durch ihre Geschichte als durch ihre Gegenwart geprägt. Im Jahr 2021 wurde der Bau von Luma Arles, einem 27 Hektar großen Kulturzentrum, das acht Jahre zuvor von der Schweizer Kunstmäzenin Maja Hoffmann gegründet worden war, endlich abgeschlossen. Auf dem Gelände eines alten Eisenbahnkomplexes widmet es sich der zeitgenössischen Kunst mit wechselnden Ausstellungen und Veranstaltungen, Designstudios und Künstlerresidenzen, die sich über eine Reihe umgebauter Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert und einen von Frank Gehry entworfenen Turm aus Glas und Stahl verteilen. Außerdem gibt es einen großen, grünen Park, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Der französische Fotograf François Halard, der vor rund 30 Jahren ein Haus in Arles gekauft hat, freut sich über den Neuzugang in dieser historischen Stadt. „Diese beiden Welten – die Vergangenheit und die Gegenwart – ergänzen sich auf eine Weise, die uns dazu inspiriert, eine von Kultur geprägte Zukunft zu gestalten“, sagt er.

Im Folgenden stellen Halard, Hoffmann und zwei weitere kreative Einheimische die Hotels, Restaurants, Geschäfte, Galerien und Naturoasen der Stadt vor, die sie am meisten inspirieren.

Die Insider

V.l.n.r.: François Halard, Porky Hefer, Maja Hoffmann and Kamal Mouzawak. (Ilustration von Richard Pedaline)

François Halard ist ein französischer Designfotograf und Künstler, der in Paris, Arles und auf der griechischen Insel Symi lebt.

Der südafrikanische Künstler und Designer Porky Hefer zog 2020 mit seiner Frau Yelda Bayraktar von Kapstadt nach Arles. Bayraktar eröffnete im vergangenen Jahr die Boutique „Couthure“ in der Stadt.

Die in der Schweiz geborene Unternehmerin Maja Hoffmann gründete 2013 den Kulturkomplex Luma Arles und war 2014 Mitbegründerin der Vincent-van-Gogh-Stiftung in Arles. Ihr gehören zudem einige Hotels in der Stadt, darunter das Grand Hôtel Nord-Pinus. Sie lebt auf dem Land in der Nähe von Arles sowie in London und der Schweiz.

Der Koch und Aktivist Kamal Mouzawak eröffnete 2009 die renommierte Restaurantkette Tawlet in Beirut und 2004 den Bauernmarkt Souk el Tayeb in der Stadt. Im Jahr 2022 zog er mit seinem Ehemann, dem libanesisch-französischen Modedesigner Rabih Kayrouz, nach Arles.

Übernachten

Das französische Parfümhaus Fragonard eröffnete 2021 in Arles ein Gästehaus über der Filiale im Stadtzentrum. (Foto: Anthony Lanneretonne)
Eines der sechs Gästezimmer im La Maison Fragonard. (Foto: Anthony Lanneretonne)

„Wenn man im Sommer dort ist, gibt es keinen besseren Ort, um den Menschenmassen in der Innenstadt zu entfliehen, als die Pool Suite, ein Einzimmerappartement. Es ist so schlicht und minimalistisch eingerichtet, dass man sich fast wie beim Camping fühlt – nur dass man hier einen Pool in der Mitte hat.“ Ab ca. 300 € pro Nacht – Porky Hefer

La Maison Fragonard ist eine charmante Unterkunft in der Nähe des Place du Forum. Im Erdgeschoss befindet sich eine Boutique, in der Keramik, Düfte und Bettwäsche verkauft werden, und in den oberen Etagen gibt es Gästezimmer. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet, und einige verfügen über eine Küche, sodass man die Einkäufe vom Markt gleich zubereiten kann. Ab ca. 110 € pro Nacht

Zimmer 11 im Hotel Le Cloître. (Foto: Anthony Lanneretonne)
Die Lobby und das Restaurant im Le Cloître. (Foto: Anthony Lanneretonne)

„Ich liebe auch die Inneneinrichtung des Hotels Le Cloître. Sie wurde von India Mahdavi konzipiert. Ich buche normalerweise Zimmer 11. Es ist das einzige Gästezimmer im ersten Stock und hat ein riesiges Wohnzimmer und ein tolles Bad. Ich bin ganz begeistert von den Rattanmöbeln, und das Frühstück dort ist einfach herrlich.“ Ab ca. 100 € pro Nacht – Kamal Mouzawak

„In der Camargue [Region südlich von Arles], in der Nähe des Dorfes Le Sambuc, liegt Le Mas de Peint, ein ländliches Hotel mit angeschlossenem Restaurant auf einem 500 Hektar großen Anwesen. Die Manade Jacques Bon ist zugleich eine Ranch mit Camargue-Pferden und Stieren, wo man geführte Ausritte buchen kann.“ Ab ca. 287 € pro Nacht – Maja Hoffmann

Essen und Trinken

Der Speisesaal im Grand Hôtel Nord-Pinus. (Foto: Anthony Lanneretonne)
Ein Gemüsegericht im Chassagnette mit Fenchelknollen, Oliven und Karottenvinaigrette. (Foto: Anthony Lanneretonne)

Das Le Bistrot du Paradou liegt etwa 25 Fahrminuten nordöstlich in Richtung der Alpilles. Am besten geht man samstags zum ausgiebigen Mittagessen hin, wenn Lamm auf der Speisekarte steht. Die Käseplatten sind die größten, die man sich vorstellen kann, und zum Pauschalpreis kann man so viel Wein trinken, wie man möchte. Der Baba au Rhum scheint mit einer ganzen Flasche Rum serviert zu werden, also sollte man dafür noch ein bisschen Platz lassen.

La Cabane du Pêcheur Fou ist eine tolle, typische Cabane (Hütte) der Camargue am Ufer der Petit Rhône in der Nähe des Meeres im Dorf Saintes-Maries-de-la-Mer. Gehen Sie zum Mittagessen hin und suchen Sie sich einen Platz im Freien. Bestellen Sie den frisch gegrillten Fisch. Das Personal und die Musik unterstreichen die Atmosphäre.“ – P.H.

„Die talentierte Céline Pham, die früher im Luma gearbeitet hat, hat zusammen mit ihrer Frau Agathe de Buretel das Inari am Place Voltaire eröffnet. Es befindet sich in einem sehr eindrucksvollen Raum in einer ehemaligen Kapelle aus dem 13. Jahrhundert. Sie kocht französisch-vietnamesisch inspirierte Gerichte.

„Zum Mittagessen empfehle ich das Le Galoubet, ein modernes französisches Bistro mit einer bezaubernden, von Weinreben überdachten Terrasse im Stil der Provence.“ – M.H.

Inari, ein französisch-vietnamesisches Restaurant in einer umgebauten Kapelle aus dem 13. Jahrhundert. (Foto: Anthony Lanneretonne)
Inaris Tintenfisch mit hausgemachten Reisnudeln und Sanddorn. (Foto: Anthony Lanneretonne)

„Das Grand Hôtel Nord-Pinus, eine echte Institution in Arles, hat vor einigen Monaten nach einer umfassenden Renovierung wiedereröffnet und hat nun mit Antonio Altamura einen hervorragenden italienischen Küchenchef. Das hat die Dinge wirklich grundlegend verändert. Da es nun – im Gegensatz zu vielen anderen Restaurants in Arles – ganzjährig geöffnet ist, herrscht dort auch im Winter reger Betrieb.“ – François Halard

„Das Café Japonais wird von einer jungen Japanerin geführt, die mit einem französischen Künstler verheiratet ist. Es ist ein sehr charmantes Lokal, in dem oft Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Die Philosophie des Cafés ist ganz im Stil von Arles: Manchmal steht auf dem Schild, dass es ‚gegen‘ 10 Uhr öffnet.

Ich kaufe mein Brot immer bei Levain in der Cavalerie. Dort gibt es das beste Sauerteigbrot und ihre Brioches sind ebenfalls hervorragend.

La Chassagnette in der Camargue liegt inmitten des schönsten Gartens der Welt. Für Gruppen serviert der Küchenchef ein ganzes Lammkarree oder einen ganzen Fisch, begleitet von perfekten Beilagen wie geräucherten Auberginen, grünen Bohnen und Kapern. Oder Sie bestellen das saisonale Degustationsmenü, das Sie garantiert nicht enttäuschen wird.“ – K.M.

Shopping

„Vague“, eine Kombination aus Galerie, Laden und Café in der Altstadt von Arles, hat eine Partnerfiliale in Kobe, Japan. (Foto: Anthony Lanneretonne)
Keramik bei „Vague“; der Laden verkauft Waren von französischen und japanischen Designern. (Foto: Anthony Lanneretonne)

„Nehmen Sie sich etwas Zeit, um bei Ghost Town nach tollen Vintage-Klamotten zu stöbern. Mit etwas Glück spielt Dorian, einer der Besitzer, sogar ein cooles Set. Und schauen Sie sich unbedingt die Weidenkörbe an, die sein Vater herstellt – er ist ein absolutes Handwerksgenie.“ – P.H.

Moustique gibt es schon seit einer Ewigkeit. Der Laden verkauft lokale und handgefertigte Artikel wie Kerzen und Poster. Es ist so etwas wie das kleine Colette von Arles. Ich kaufe dort alle meine Weihnachtsgeschenke.“ – F.H.

Vague ist ein vielseitiger Kreativraum, der Design, Handwerk, Gastronomie und Ausstellungen vereint – ein experimenteller Ort mit einer engen Bindung zu Japan und vor allem zu Kobe. Dort finden oft interessante Kooperationen mit Designern und Köchen statt, etwa zum Thema Schokolade oder mundgeblasenem Glas.

Kleider, entworfen von Yelda Bayraktar, der Inhaberin der Boutique „Couthure“ in Arles, die im Laden hängen, in dem auch Möbel verkauft werden, darunter der rosa Tisch der Designerin Victoria Episcopo und die Hocker der Designerin India Mahdavi. (Foto: Anthony Lanneretonne)
Eine ebenfalls von Bayraktar entworfene Jacke bei „Couthure“, kombiniert mit einem Secondhand-Hemd. (Foto: Anthony Lanneretonne)

Einer meiner Lieblingsorte, um in den Samstag zu starten, ist der Straßenmarkt von Arles am Boulevard des Lices. Dort findet man die besten frischen Produkte aus der Region und an manchen Tagen kann man auch nach wunderschönen Textilien stöbern.

Ein großartiges Beispiel für die frische und kreative Atmosphäre in Arles ist die kleine Mode- und Designboutique Couthure, die eher einer Galerie als einem Laden gleicht.

Die „Librairie Actes Sud“ ist die Flagship-Buchhandlung eines weltweit bekannten französischsprachigen Verlags. Sie liegt am Ufer der Rhône. Im selben Komplex befinden sich ein Couscous-Restaurant, ein Hammam und ein Programmkino. Die Besitzer leiten auch die Association du Méjan, die in einer ehemaligen Kapelle in der Nähe Konzerte und Ausstellungen organisiert.“ – M.H.

La Fromagerie Arlesienne ist ein wunderschöner kleiner Käseladen mit einer großen Auswahl an Ziegenkäse aus der Region, den man vakuumverpackt mit nach Hause nehmen kann.

Ich liebe Gin Tonic im Bigourdan, eine Boutique und Brennerei in einem. Dort gibt es auch einen hervorragenden Pastis.

„Mein Mann und ich lieben das Auktionshaus Alpilles Camargue Enchères. Wir kaufen dort wirklich viel ein. Man kann einfach vorbeischauen und findet immer etwas – ob Möbel, Besteck oder Antiquitäten.“ – K.M.

Entdecken

„Krauses Gekröse“ (2011) vom österreichischen Künstler Franz West im Garten von Luma Arles. (Foto: Anthony Lanneretonne)

Das Hypogäum von Castelet ist eine mindestens 5.000 Jahre alte Begräbnisstätte aus der Steinzeit. Es liegt an einem Ort mit starker energetischer Anziehungskraft. Ein Gastprofessor mit einer Vorliebe für antike Stätten hat mir dieses versteckte Juwel gezeigt. Man übersieht es leicht, und auf den ersten Blick wirkt es nicht besonders einladend – möglicherweise blockieren Mücken oder Spinnweben den Eingang. Aber wenn man sich daran nicht stört, wird man belohnt. Es ist unglaublich, wie kraftvoll die Energie ist, sobald man drinnen ist.

Die niederländische Ökodesignerin Henriëtte Waal und andere gründeten 2017 das Atelier Luma, ein Designforschungslabor im Luma-Arts-Komplex. Ziel ist es, im Einklang mit der Umgebung zu gestalten. Ich war überwältigt, als ich sah, was sie aus lokalen Materialien wie Salz oder Algen geschaffen hatten. Schauen Sie sich es an. Es ist wirklich inspirierend.“ – P.H.

„Unsere Familie kam ursprünglich aus der Schweiz in die Camargue, weil mein Vater Ornithologe war. Eines seiner Vermächtnisse ist die Tour du Valat, ein Naturschutzgebiet und Forschungsinstitut mit einer Fläche von mehr als 2.000 Hektar, das größtenteils aus Feuchtgebieten besteht. Der Parc Ornithologique du Pont de Gau ist ein weiteres Vogleparadies – und es gibt dort auch Wanderwege. – M.H.

Diese Interviews wurden redaktionell bearbeitet und gekürzt.